Datum
16. September 2016
Autor
von Andreas Plattner
Thema
Prozessoptimierung

Variantenreiche Massenfertigung mit Cloud-ERP

5 von 5 Sterne, 2 Bewertungen

Masse mit Klasse

Produktionsstraße in der Fertigung

Die kundenspezifische, variantenreiche Massenfertigung bietet in Märkten, in denen der Druck auf die Herstellungskosten maximal ist, eine interessante Alternative zur Auftrags- bzw. Variantenfertigung. Der Grund hierfür liegt in der Größe dieser Märkte, denn diese sind mit denen von Massenmärkten vergleichbar. Zeitgleich können die Nachteile der Auftrags- bzw. Variantenfertigung in Bezug auf Kosten und Lieferzeiten vermieden werden.

Einfache Beispiele aus dem B2C-Bereich sind u.a. PosterXXL, mi adidas, Pimp my Billy, Mymuesli. Sie stellen eine einfache Individualisierung dar, in der der Kunde einen Herstellungsprozess kauft. Im B2B sind dagegen wesentlich komplexere Kundenspezifizierungen möglich. Ein Cloud ERP- System kann in Massen ausgeliefert und in einem Scoping-Vorgang individualisiert werden.
Betrachtet man das Thema „kundenspezifische, variantenreiche Massenfertigung“ genauer, stellen sich zunächst zwei Probleme heraus:

a)    Die Anforderungen an den Produktionsprozess sind hoch

Zum einen bietet sich die Entwicklung von Baukastensystemen an, die den Konfigurationsschritt im Produktionsprozess möglichst weit nach hinten verlagert. Die Entwicklung einer sogenannten Postponent-Strategie mit möglichst spätem Variantenpunkt ist die Voraussetzung dafür, Kostenstrukturen unwesentlich über denen der Massenproduktion zu erreichen und Fehlproduktionen vorbei am Bedarf zu vermeiden. In der Folge einer Postponent-Optimierung ergeben sich oft auch logistische Aktivitäten: Auslieferungen finden aus Zentrallagern statt, der Produktions- und Konfigurationsprozess verteilt sich ggf. über mehrere Standorte. Auf der Kundenseite lassen sich deutlich höhere Preise erzielen, im B2C-Bereich typischerweise bis zu 100%, wenn der Mehrwert schlüssig vermittelt werden kann.
Das Problem besteht daher zum einen in der Komplexität der Konfiguration. Der Kunde darf nicht durch eine zu hohe Komplexität belastet sein.
Ist der Konfigurationsraum zu groß (und damit die Customer Interaction Kosten), sinkt der empfundene Mehrwert.

b)    Die Anforderungen an das Marketing in der individualisierten Massenmarktbearbeitung sind hoch
Je maßgeschneiderter das Produkt, umso schwieriger ein kostengünstiges Marketing. Individualisiertes Marketing ist äußerst zeitaufwendig, möchte man auf jede Einzigartigkeit eingehen. Jedoch wird die Produktflexibilität bei Verbrauchsgütern ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Zudem werden Kaufentscheidungen im Vergleich zu früher kurzfristiger getroffen, was zu einer höheren Heterogenität der Nachfrage führt, Einzelanfertigungen aber unmöglich macht.
Das Customized Marketing greift den Trend auf, indem es die Leistungs- und Produktindividualisierung in den Mittelpunkt stellt. Es können Wechselbarrieren aufgebaut und ein Kunde vom Preiswettbewerb entkoppelt werden.
Bei der „kundenspezifischen, variantenreichen Massenfertigung“ bestehen demnach zwei große Probleme: Der Produktionsprozess sowie Marketing, bzw. Vertrieb. Beides kann jedoch nicht  getrennt voneinander betrachtet werden.

Notwendig ist eine Konfigurationslösung, die den Vertriebsprozess nahtlos in den Fertigungsprozess integriert. Sowohl für die Planung und die Optimierung der Fertigung, als auch für ein zielgerichtetes Marketing, ist eine Datenbasis notwendig, die Absatz- und Produktionsinformationen so vorhält, dass daraus die richtigen strategischen und operativen Informationen gewonnen werden können. Die Verfügbarkeit der Informationen ist damit von zunehmender Bedeutung, um die entsprechenden Produktions- und Kommunikationsnetzwerke bedienen zu können – und das bis weit in die Nachkaufphase hinein.

Moderne ERP-Lösungen sind nicht mehr nur Plattformen für Unternehmensprozesse, sondern Datenlieferanten, auf denen neue Geschäftsmodelle erst möglich werden.
Die Integration von Marketing und Verkauf bis zur Montage und Auslieferung gewinnt in diesen Geschäftsmodellen eine zunehmende Bedeutung. Cloud-ERP-Systeme mit mächtigen Analysewerkzeugen können in Verbindung mit Branchenlösungen eine solide Basis bilden.

Bildquelle: © Nataliya Hora, Fotolia

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