Datum
10. August 2016
Autor
von Daniela Burggraf
Thema
Finanzmanagement

Neuer Bilanzierungs-Standard im 5-Schritte-Modell

4 von 5 Sterne, 1 Bewertung

IFRS 15: Welche Auswirkungen hat das auf mein Unternehmen?

Tablet zeigt Verlaufsdiagramm

Der heiß diskutierte Bilanzierungsstandard IFRS 15 zur Umsatzrealisierung kommt später als geplant, nämlich erst 2018 – aber er kommt. Und das macht CFOs Kopfzerbrechen. Denn die Einführung des neuen Standards wird schwieriger, als viele von ihnen erwartet hatten. IFRS 15 regelt sowohl den Zeitpunkt als auch die Höhe bei der Erfassung von Umsatzerlösen. Dabei ersetzt IFRS 15 die bisherigen Vorschriften zur Umsatzrealisierung gemäß IAS 18 und IAS 11 sowie diverse Standardinterpretationen und regelt mehrere Aspekte neu. Die Veränderung ist so weitreichend, dass sie Einfluss auf Geschäftsmodelle haben kann. Gemäß IFRS 15 müssen Unternehmen anhand eines Fünf-Schritte-Modells bestimmen, zu welchem Zeitpunkt (oder über welchen Zeitraum) und in welcher Höhe sie Umsatzerlöse erfassen. Welche Schritte das sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Zukünftig muss bei der Umsatzrealisierung ein prinzipienbasierter Ansatz in einem einheitlichen Modell berücksichtigt werden. Die größten Herausforderungen ergeben sich dabei bei Mehrkomponentenverträgen, die bis dato Produkte und Dienstleistungen in ihren Absatzgeschäften kombinieren und bilanziell in einem Geschäftsvorfall (Produktbündel) erfasst wurden. In fast allen Branchen lassen sich typische Anwendungsfälle hierfür finden, insbesondere dort, wo Unternehmen Serviceverträge mit Kunden nach dem Kauf eines Produktes abschließen, um eine dauerhafte Kundenbeziehungen zu pflegen. Dies betrifft nicht nur die Telekommunikationsbranche (z.B. 24-Monatsvertrag mit subventioniertem Handy), sondern auch Anlagenhersteller (Anlagenverkauf inkl. Wartungsvertrag) oder die Verlagsbranche (Printmedium inkl. Onlinezugriff auf Datenbank).

Wesentliche Neuerungen

Gemäß IFRS 15 müssen Unternehmen nun anhand eines Fünf-Schritte-Modells
bestimmen, zu welchem Zeitpunkt (oder über welchen Zeitraum) und in welcher Höhe
sie Umsatzerlöse erfassen. Das Modell legt fest, dass Umsatzerlöse zum Zeitpunkt
(oder über den Zeitraum) des Übergangs der Kontrolle über Güter oder Dienstleistungen
vom Unternehmen auf Kunden mit dem Betrag zu bilanzieren sind, auf den das
Unternehmen erwartungsgemäß Anspruch hat. Abhängig von der Erfüllung bestimmter
Kriterien werden Umsatzerlöse wie folgt erfasst:

  • über einen Zeitraum derart, dass die Leistungserbringung des Unternehmens widergespiegelt wird; oder
  • zu einem Zeitpunkt, zu dem die Kontrolle über das Gut oder die Dienstleistung auf den Kunden übergeht.

Schritte 1 und 2 des IFRS 15-Modells

Diese sehen vor, dass zunächst alle in einem Vertrag vereinbarten Leistungsverpflichtungen identifiziert und die eigenständigen Leistungskomponenten separat abgebildet werden. Dies betrifft alle Leistungskomponenten, auch wenn sie in einem Vertrag nicht explizit genannt oder ein separater Kaufpreis vereinbart ist. So können bspw. bereits kostenlose Updates zu einer veräußerten Software separat zu bilanzieren sein. Denn nach IFRS 15 sind Umsatzerlöse für einzelne Leistungskomponenten zu erfassen, wenn die zugesagte Leistung erbracht wurde oder als erbracht gilt. Für ein Software-Update kann sich somit ein späterer Realisationszeitpunkt ergeben.

Schritt 3 und Schritt 4

Bei der Bestimmung des Transaktionspreises ist grundsätzlich vom vertraglich vereinbarten Entgelt auszugehen. Kann die Höhe der Gegenleistung jedoch nicht konkret ermittelt werden, ist eine möglichst verlässliche Schätzung anhand von Erwartungswerten vorzunehmen, die einige Fragen für die Praxis mit sich bringt. Denn diese Gegenleistung kann fixe und variable Komponenten beinhalten (Boni, Rabatte, Vertragsstrafen, etc.), die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses beurteilt werden müssen.

Sind die einzelnen Leistungskomponenten identifiziert und die gesamte Gegenleistung bestimmt, hat im Anschluss eine Verteilung auf diese Leistungsverpflichtungen zu erfolgen. In diesem Kontext stellt sich nunmehr die Frage, welchen Veräußerungspreis die jeweilige Leistungskomponente alleinstehend haben würde.

Schritt 5

Ein wesentlicher Unterschied zu den bisherigen Regeln der Umsatzrealisierung betrifft den Realisationszeitpunkt. Bisher erfolgte die Erlösrealisierung im Falle des Verkaufs von Gütern bei Übertragung der wesentlichen Chancen und Risiken bzw. im Anwendungsfall von IAS 11 Fertigungsaufträge nach Maßgabe des Fertigstellungsgrades (percentage-of-completion-Methode). Zukünftig ist dagegen das entscheidende Kriterium der Übergang der Kontrolle über das Gut oder die Dienstleistung einschließlich der Beurteilung, ob der Kontrollübergang zu einem Zeitpunkt oder über einen Zeitraum hinweg erfolgt. Da sich bei abweichenden Umsatzrealisationszeitpunkten erhebliche Auswirkungen für die Berichterstattung des betroffenen Unternehmens ergeben können, sind insbesondere hierzu frühzeitige individuelle Analysen zu empfehlen. 

Herausforderungen für die Praxis

Wichtigste Auswirkungen sind:

  • Umsatzerlöse sind entweder zu einem Zeitpunkt oder über einen Zeitraum zu erfassen
  • Erfassung von Umsatzerlösen wird möglicherweise vorgezogen oder aufgeschoben
  • Neue Schätzungen und Ermessensentscheidungen sind erforderlich
  • Überarbeitung der Steuerplanung, von vereinbarten Klauseln in Kreditverträgen und von Verkaufsförderprogrammen wird eventuell notwendig
  • Verkaufs- und Vertragsprozesse müssen gegebenenfalls überprüft werden
  • Rechnungslegungsprozesse und interne Kontrollen müssen überarbeitet werden
  • Umfassende neue Anhangangaben sind erforderlich
  • IT-Systeme müssen eventuell aktualisiert werden
    Unternehmen müssen möglicherweise zusätzliche Daten erfassen, die nach dem neuen Standard erforderlich sind – zum Beispiel Daten, die für Schätzungen oder als Nachweis für die Anhangangaben benötigt werden. Eine retrospektive Anwendung von IFRS 15 könnte die vorzeitige Einführung neuer Systeme und Prozesse sowie möglicherweise das Führen von parallelen Aufzeichnungen während des Übergangszeitraums zur Folge haben.

Besonderes Augenmerk müssen CFOs auf diese Tatbestände bzw. Bestandteile legen:

  • Vertragsanpassungen
  • variable Kaufpreisbestandteile
  • (umfangreichen) Rückgaberechte, Gewährleistungen und Garantien
  • Kundengewinnungskosten
  • Vertragserfüllungskosten
  • Kundenbindungsprogramme
  • Bill-and-Hold Transaktionen
  • Put-/Call-Optionen oder
  • „Upfront fees”.

Rechnungslegungsvorgaben sollten in der Regel zur einheitlichen bilanziellen Abbildung von Prozessen und Geschäftsvorfällen dienen und keinen Einfluss auf Geschäftsmodelle nehmen. Die neuen Regelungen des IFRS 15 sind jedoch so weitreichend, dass es bei einigen Unternehmen zu Ausnahmen von dieser Regel kommen kann.

Der prinzipienbasierte IFRS 15 regelt die Umsatzlegung in einer Art und Weise abstrakt und erschwert damit den Transfer der Grundsätze auf spezifische Sachverhalte. Kunden sollten sich deutlich vor dem Erstanwendungszeitpunkt mit den neuen Regelungen auseinander setzen, um die notwendige Anwendungs- und Prozesssicherheit zum Erstanwendungsstichtag zu gewährleisten.

Da der Standard voraussichtlich erst für Geschäftsjahre anzuwenden sein wird, die nach dem 01.01.2018 beginnen, ist aktuell noch Zeit für mögliche Analysen und Gegensteuerungsmaßnahmen.
Es empfiehlt sich, die aktuellen IT-Anbieter nach Lösungsansätzen zu befragen, und gegebenenfalls auf Anbieter mit vorgelegten Vorschlägen & Systemen anzusprechen.

Nähere Informationen und praktische Tipps finden Sie in diesem Paper und in dem exklusiven Video-Webinar.

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Bildquelle: © SAP Image Libary

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