Datum
29. Juni 2016
Autor
von Marian Spohn
Thema
Digitalisierung

Bargeldloses Bezahlen

Von Mobile Payment bis Self-Check-out: Innovative Bezahlmethoden sind gefragt

statt mit EC-Gerät bezahlt ein Kunde im Cafe via Smartphone

Im Bereich Internet of Things (IoT) und Handel schlummern enorme Wertschöpfungspotenziale. Eine aktuelle Studie schätzt, dass im Jahr 2025 der Handel weltweit zwischen 370 Milliarden bis 1,1 Billionen Euro mit IoT umsetzen könnte.1 Das sind schwindelerregende Summen, von denen sicher auch die Finanzbranche ein Stück abhaben möchte. Aber auf der einen Seite scheinen die großen Geldinstitute Digitalisierung, Big Data und Internet of Things zu verschlafen. Nur 17 Prozent der in einer Studie befragten europäischen Banken gaben an, einen hohen Digitalisierungsgrad in ihrem Privatkundengeschäft erzielt zu haben.2 Auf der anderen Seite sind gerade die deutschen Konsumenten gegenüber bargeldlosem Bezahlen und Bezahldiensten wie PayPal noch sehr skeptisch eingestellt.3 Die Betonung liegt auf „noch“.

Als Vorbild für eine Digitalisierung des Einzelhandels beziehungsweise eine bargeldlose Gesellschaft könnte Schweden fungieren. Dort findet gerade der Test eines Supermarkts ohne Kassen-Personal  statt.4 Per App, einer geprüften Bank ID (schwedisches Bankkonto-Identifikationsprogramm) und Selbst-Check-out-System können Verbraucher ihre Waren selbst über die Smartphone-Kamera einscannen. Der Betrag wird automatisch vom Konto abgebucht und der Kunde kann den Supermarkt bequem sowie schnell verlassen – ohne Schlange an der Kasse. Über die Smartphone-Anwendung kann zudem Einfluss auf das Sortiment genommen werden. Das sind Mehrwerte, die gerade auch jüngere Konsumenten überzeugen.

In Deutschland steckt ein derartiger Umgang mit Geld vor allem aufgrund von Sicherheitsbedenken noch im Anfangsstadium. Laut einer Studie haben 88 Prozent der Deutschen beim Bezahlen mit dem Smartphone Angst vor Datenmissbrauch. 85 Prozent fürchten sich vor dem Diebstahl ihres Smartphones und damit ihrer Kontodaten, 76 Prozent vor einer Komplettüberwachung, da sich sämtliche Transaktionen leicht zurückverfolgen lassen. Doch findet auch hier allmählich ein Umdenken statt: So wollen neben den 25 Prozent, die Mobile Payment bereits nutzen, künftig noch weitere 35 Prozent der Befragten derartige digitale Bezahlmöglichkeiten einsetzen.5

Services zu bargeldlosem Bezahlen immer wichtiger

Beim Thema Bezahlen ohne Bargeld besteht in Deutschland daher Handlungsbedarf. Sogenannte FinTechs, also junge Unternehmen ohne Banklizenz, mussten noch vor Jahren mühselig bei Banken um Investitionen betteln. Sie entwickeln unter anderem moderne Lösungen für das Customer Relationship Management (CRM) sowie Mobile Payment oder Banking. Heute hat sich diese Situation allerdings geändert. Die Mehrheit der Kunden (60 Prozent) erwartet von ihren Finanzdienstleistern ein Omnichannel-Angebot, d.h. die Vielfalt und volle Vernetzung aller Kanäle überall und zu jeder Zeit, egal ob bei Transaktionen oder Einkauf, Services oder Support. Das ergab eine Befragung von Bankkunden zur Digitalisierung.6 Die Aufmerksamkeit der Geldinstitute richtet sich nun allmählich auf Start-ups sowie deren Erfolge und Technologien. Zum anderen winkt dank Omnichannel-Strategien sowie E-Commerce eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Groß- und Einzelhandel, die als Teil dieses Ökosystems von einer Digitalisierung des Bezahlwesens und einer stärkeren Vernetzung erheblich profitieren könnten.

Innovative Anwendungsszenarien entscheiden

Das Geld muss in Zukunft barrierefrei fließen können, wie bereits 2008 in einem Werbespot symbolisch demonstriert wurde. Genau das erwarten sowohl B2C- als auch B2B-Kunden von modernem Banking und innovativen Bezahllösungen im Handel. Die nötigen Informationen für neue, innovative Geschäftsfelder liegen den meisten Unternehmen zum größten Teil schon vor. Sie erheben jedoch meist eine Unmenge an Daten, ohne sie wirklich einzusetzen. Weniger als ein Prozent der Informationen werden derzeit tatsächlich verwendet, haben McKinsey-Analysten ermittelt. Hier liegt ein enormes Potenzial sowohl für Handel als auch Banken, über ein einheitliches IT-System Prozesse zu optimieren, bessere Vorhersagen über das Kunden- und Kaufverhalten zu treffen und neue Produkte darauf aufzubauen.
Banken können zum Beispiel anhand von Girokonto- und Kreditkarten-Informationen feststellen, wo die meisten Transaktionen stattfinden und es sich lohnt, Geldautomaten oder Filialen zu platzieren – und wo nicht. Wenn Geldinstitute enger mit dem Handel kooperieren, lassen sich künftig zum Beispiel beim Kauf hochpreisiger Produkte spontan Kredite direkt über spezielle Geräte im Handel anfragen. Einzelhändler könnten Personal an den Kassen einsparen oder gleich komplett auf Kassen verzichten. Im E-Commerce wandert in Deutschland auch heute schon kein Bargeld mehr über den Tresen und dies ist weitläufig akzeptiert. Können Handel und Banken den Kunden die Sicherheitsbedenken nehmen, werden sich Konsumenten bald mehrheitlich für Geldkarte, Smartphone oder RFID-Chip entscheiden, um bargeldlos zu bezahlen.
Wie im kleinen Supermarkt in Schweden.

Mehr dazu erfahren Sie in unserer Infografik.

Sie möchten mit dem Autor Kontakt aufnehmen?
Schreiben Sie an m.spohn@byde.eu 

Kommentare

Noch nicht bewertet

Es gibt noch keine Kommentare

Kommentar hinterlassen